Neue alte Farben für St. Johannis

Pressemitteilung 12. März 2026

In einem hellen Gelb ragt St.-Johannis in den Soltauer Himmel. Der Turm ist frisch saniert. Vorn führt die Bahnhofstraße vorbei, dahinter erstreckt sich der Kirchgarten, ein kleines Waldstück mit uralten Bäumen, wie die Kirche selbst.

Was den Bau vordergründig zu einem herausragenden historischen Denkmal macht, ist seine Größe. „Sie war ein gewaltiger Kirchenbau. Der Kirchenraum hatte monumentale Ausmaße, flankiert von zwei Emporen an der Nordseite. Dazu kam die Orgelempore mit der gerade neu errichteten gewaltigen Orgel“, erinnerte sich der damalige Pastor Joachim Biallas in den 1970er-Jahren in einer Festschrift. Einzigartig in der Region sei die Kirche, sagt auch Mathias Ernst, doch zugleich hat sie eine Geschichte voller Zäsuren und Umbrüche.

1907/1908 wurde die Johanniskirche auf den Grundsteinen der in der Weihnachtsnacht 1906 abgebrannten Vorgängerkirche errichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1921 die Seitenwand zum Erinnerungsort für die Gefallenen der Gemeinde. Das Denkmal wurde durch Wandbilder und neoklassizistische Architekturmalerei ergänzt und thematisiert das Opfer. Den nächsten Einschnitt erlebte die Kirche 1972/73, als klar wurde, dass sie mit über 1000 Sitzplätzen zu groß für die regelmäßigen Gottesdienste war. Der Kirchenraum wurde zu einem Gottes- und Gemeindehaus umgestaltet, wobei die südliche Seitenwand mit dem Erinnerungsort in den Mittelpunkt rückte: Dort steht seither der Altar.

Ernst und die weiteren Mitglieder des Bauausschusses haben schon ein klares Bild davon, wie die Kirche nach der umfassenden Innensanierung aussehen wird. „Ich freue mich schon sehr auf das Ergebnis. Dann wird die Kirche eine ganz andere Ausstrahlung haben“, erklärt Ernst. „Es wird ein schöner warmer Weißton“, sagt Catrin Kreipe über die bereits festgelegte Grundfarbe. Die restaurierten Bilder sowie Wand- und Deckenmalereien werden in satten Farben erstrahlen, darin sind sich auch Dorothee von Felde, Carola Hüttmann, Dorothee Harbart und Franz-Otto Wiehenstroth einig.

Noch ist allerdings alles anders: Die Farben wirken matt, alles, was eigentlich leuchten sollte, ist von einer grauen Schicht überzogen. Die Sanierung wird rund eine Million Euro kosten. Die Hälfte kommt vom Bund über das Denkmalschutz-Sonderprogramm, die andere Hälfte muss noch eingeworben oder aus Eigenmitteln aufgebracht werden. Pläne dafür gibt es bereits, konkrete Aussagen wollen die Bauausschuss-Mitglieder aber erst machen, wenn die Zusagen vorliegen. Sie hoffen, dass dies im Laufe des Jahres geschieht, damit im kommenden Jahr die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt in St.-Johannis endlich beginnen können.

Neue Dämmung über dem Tonnengewölbe

Seit 2018 steht die Innenraumsanierung auf der Agenda. Dringend muss das Kirchhaus energetisch modernisiert werden: Die alte Dämmung auf dem Tonnengewölbe hat sich zersetzt und soll erneuert werden. Die kleinteiligen Fenster bleiben erhalten, die Dämmung wird voraussichtlich durch zusätzliche vorgesetzte Fensterscheiben erreicht. Dabei müssen die klimatischen Verhältnisse berücksichtigt werden, damit Orgel und Kunstwerke nicht beschädigt werden.

Auch die Beleuchtung, die aktuell viel Wärme abgibt und konservatorisch problematisch ist, soll ersetzt werden. Ebenso wird die Elektroinstallation modernisiert, um das Brandrisiko zu senken. Möglicherweise kann bereits parallel mit den Restaurierungen der Gemälde begonnen werden. Die Empore soll zudem mit einer höheren Balustrade sicherer werden, ohne Akustik und Sichtachsen zu beeinträchtigen. Ansonsten bleibt die Aufteilung des Kirchengebäudes unverändert. „Das, was 1972 umgestaltet wurde, war sehr innovativ“, stellt von Felde fest.

Seitdem erfüllt die Kirche drei Funktionen: als Gemeindezentrum, Sakralbau und Ort für musikalisch-kulturelle Veranstaltungen. „Diese Vielschichtigkeit mit ihrem Spannungsreichtum gilt es zu bewahren“, erklärt Ernst. Dazu gehört auch die Einordnung des Kriegsgedenkens unter heutigen Gesichtspunkten, ohne die eigene Geschichte auszuradieren.

„Mit Blick auf die nächsten 40 bis 50 Jahre wollen wir hier kein Museum, sondern einen Ort, an dem Menschen aus Soltau und den umliegenden Dörfern zusammenkommen“, betont Wiehenstroth. Von Felde ergänzt, dass das Gebäude als Veranstaltungs- und Kulturstätte überregional von Bedeutung ist: „So etwas brauchen wir hier, gerade auch mit Blick auf unseren jungen Kantor Manuel Behre und seine Projekte. Es ist eine große Chance für St.-Johannis und für Soltau.“

Anja Trappe, Böhme Zeitung Donnerstag, 12. März 2026

 

Orgel von 1968

Arbeiten am Instrument ruhen zunächst

Seit Dezember 2021 wird die Orgel aus dem Jahr 1968 in der St.-Johannis-Kirche saniert. Bereits im September 2020 hatte die jährliche Inspektion ergeben, dass die maroden elektrischen Leitungen eine zu große Brandgefahr darstellten. Die Elektrik ist mittlerweile auf einem guten Stand – ob sie jedoch ausreichend sicher ist, muss noch einmal geprüft werden. Aktuell ruhen die Arbeiten, da der Vertrag mit dem ursprünglichen Orgelbauer im vergangenen Jahr gekündigt wurde. Bevor die Arbeiten an der Orgel wieder aufgenommen werden können, muss zunächst der Innenraum der Kirche saniert werden. Dies ist auch eine Auflage der Landeskirche. Mit dem Baubeginn sollen alle Orgelteile ausgebaut, abgeholt und gereinigt werden. Der Orgelprospekt wird während der Baumaßnahme so gesichert, dass er vor Staub und Schmutz geschützt ist. Die anschließende Sanierung des Prospekts kann aus Mitteln des Denkmalschutzes finanziert werden. Für die weiteren Arbeiten an der Orgel selbst müssen die notwendigen Mittel zusätzlich aufgebracht werden.

Die St. Johanniskirche Soltau ist die älteste Kirche der Stadt. Sie wurde 1464 erstmals urkundlich erwähnt, als eine frühere Holzkirche durch einen Steinbau ersetzt wurde. Nach einer Erweiterung 1597/98 entstand 1755 eine neue spätbarocke Saalkirche. Der 68 Meter hohe Turm wurde 1849/50 errichtet. In der Weihnachtsnacht 1906 brannte das Gebäude weitgehend aus; nur die Außenmauern blieben erhalten. Anschließend wurde die Kirche unter Leitung des Konsistorialbaumeisters Wendebourg im neubarocken Stil wieder aufgebaut und 1908 neu eingeweiht. Der Innenraum wurde 1972/73 nach Plänen des Kirchenbaudirektors Müller umgestaltet, da die Kirche mit ursprünglich über 1000 Sitzplätzen für die Gemeinde zu groß geworden war. Dabei entstanden mehrere Gemeinderäume, und der Altar wurde an die Südwand versetzt. Zur Ausstattung gehören eine Orgel mit 40 Registern der Firma Orgelbau Hammer von 1968, die Altarwand mit Gemälden des Malers Rudolf Schäfer, sowie ein Deckengemälde von Carl Wiederhold, das Christus als Weltenherrscher zeigt.