Pastor Johannes Döhling steht für eine neue Generation in der Kirche: Frische Ideen sollen das Gemeinschaftsgefühl fördern
Soltau. Das Stichwort Kirche löst bei vielen erst einmal eine negative Reaktion aus. Auch immer mehr junge Menschen meiden die Gotteshäuser wie der Teufel das Weihwasser. Dass es auch anders sein kann, zeigt Johannes Döhling. Er ist nicht bloß gläubiger Christ, sondern predigt jeden Sonntag seit fast 1,5 Jahren in der St. Johanniskirche in Soltau. (sic! Anm. von Johannes Döhling: Natürlich predige ich nicht jeden Sonntag in der St.-Johanniskirche. Diese Menge wäre so gar nicht möglich. Im Rahmen des verbundenen Pfarramts bin ich auch in der Lutherkirche und in Wolterdingen zu finden.) Der 30-jährige Pastor steht für eine neue Generation an Geistlichen, die mit ihrer Art das kirchliche Leben in der Gemeinde gestalten wollen.
Seit Döhling im Oktober 2024 die Pfarrstelle in Soltau angetreten hat, hat er kaum Zeit für etwas anderes als das Alltagsgeschäft eines Pastors. Beerdigungen hier, Konfirmationen dort und ab und zu auch mal eine Hochzeit. Der Terminkalender des gebürtigen Bremers ist randvoll „Es ist eine Herausforderung“, sagt Döhling. Aber der junge Pastor möchte sich nicht bloß um die üblichen Pflichten seines Berufs kümmern, sondern auch neue Ideen einbringen. Eine davon war das Singen von Weihnachtsliedern am vierten Advent. An die 800 Menschen sangen in der St. Johanniskirche gemeinsam Weihnachtslieder. „Das waren, glaube ich, anderthalb Stunden und ich hatte fast durchgehend Gänsehaut, weil es einfach so ein cooles Gefühl war, diesen Raum zu füllen“, erinnert er sich.
Eine weitere neue Aktion wird im Juni stattfinden. Unter dem Motto „Einfach heiraten“ veranstaltet die Gemeinde ein Hochzeitsfestival, bei dem standesamtlich Verheiratete sich spontan trauen lassen können oder bereits kirchlich Getraute in Hochzeitserinnerungen schwelgen können. Laut Döhling befinde sich die Kirche im Wandel, weg von Altem hin zu Neuem. „Letztlich ist Kirche immer noch so ein bisschen eingestaubt, da muss frischer Wind durch.“ Für diesen Wind will der Pfarrer durch neue Angebote sorgen.
Aber wie kam Döhling überhaupt dazu, Pastor zu werden? „Mein Glaube war mir nie peinlich“, betont er im Vergleich zu vielen in seiner Generation. Zur Kirche kam er in seiner Heimat Bremen, wo er Mitglied der St. Petri-Dom-Gemeinde war. Dort hatte er sich nach der Konfirmation als Teamer eingebracht. Diese Zeit bestärkte ihn darin, Theologie zu studieren. „Kirche ist eine Gemeinschaft, die Menschen aufnimmt“, ist Döhling überzeugt.
Um Gemeinschaft zu erreichen, kann Musik helfen – eine große Leidenschaft des jungen Pfarrers. „Ich finde über Musik in den Glauben“, sagt er. Als er im vergangenen Jahr in New York bei einer Fortbildung war, hörte er ein Konzert der christlichen Band Elevation Worship – „das Non-Plus-Ultra in der aktuellen Kirchenmusik. Das waren knapp 15.000 Leute, mit denen man zusammen gesungen hat, das ist schon etwas Besonderes und eine Atmosphäre, die man so nicht vergisst.“ Aber Pastor Döhling hört nicht nur Musik und singt bei Konzerten mit, er schreibt auch eigene Lieder. Im Dezember feierte er einen Gottesdienst, bei dem er nur von ihm komponierte Lieder gespielt hat.
Auch für die Zukunft hat Döhling musikalische Pläne. So wird es im Sommer einen späten Gottesdienst am Abend in Wolterdingen geben. Am Lagerfeuer sitzen und gesellige Lieder wie Country Roads singen, soll das Gemeinschaftsgefühl der Gemeinde ansprechen. „Ich möchte, dass die Gemeinde lebt“, betont Döhling. Seine Energie ist beim Aufzählen seiner Ideen für die Zukunft deutlich zu spüren. „Sich komplett neue Formate zu überlegen und daran zu denken und zu gucken, was kann Menschen ansprechen, das macht unglaublich viel Spaß“, sagt er. Da bleibt es spannend zu sehen, mit welchen Aktionen der Geistliche seine Gemeinde in Zukunft überraschen wird.
Cornelius Lehnart, Böhme Zeitung Samstag, 4. April 2026