1. März 2026, St.-Johannis-Kirche Soltau
Eine unerhörte Kombination aus großen Opernchören und sakraler Musik in einer noch ungewöhnlicheren Kombination aus großem Chor und sinfonischem Blasorchester. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadtkantorei Soltau, dem Jugendchor und „United Winds“, dem sinfonischen Blasorchester der Heidekreis-Musikschule, ist nicht neu und ging dieses Jahr in die vierte Auflage. Das Konzertpublikum erlebte eine große musikalische Bandbreite von einer leichtfüßigen italienischen Ouvertüre über eine einfühlsame und klangsinnliche Messe von Shane Woodborne bis zu monumentalen Opernchören von Giuseppe Verdi und Georg Friedrich Händel.
Im Vorfeld wirkte die Zusammensetzung aus sakraler Musik und der schillernden Opernwelt womöglich unstimmig. Aber gerade die Komponisten der großen Opern haben sehr oft thematisch Bezug auf religiöse Themen oder zumindest kirchengeschichtliche Zusammenhänge genommen. Und bei näherer Betrachtung ist die Trennung zwischen Kirche und Oper gar nicht mehr so eindeutig. So geht es in Verdis Oper Nabucco um die alttestamentarische Figur des Königs Nebukadnezar, der dem Größenwahn verfällt, aber am Ende doch den Glauben an den Gott Israels findet und die Hebräer befreit. Daraus war der berühmte Gefangenenchor zu hören, der in großer Klangpracht und berührenden Worten die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach einer Heimkehr in ihr geliebtes Heimatland Israel besingt. Doch auch abgesehen von den häufigen inhaltlich-thematischen Verquickungen ist die Zusammengehörigkeit dieser beiden Kulturwelten mitunter gerade in ihrer Gegensätzlichkeit begründet. Und zwar in dem Sinne, dass in deren Gegenüberstellung ein großes Potenzial zu fruchtbarer gegenseitiger Bereicherung liegt, indem die pluralen Lebenswirklichkeiten innerhalb unserer Welt musikalisch-dramaturgisch in einem vervollständigten Bild dargestellt werden. Dies wurde an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Allein schon, dass die erfolgreiche Zusammenarbeit der verschiedenen Ensembles zur Wiederholung gebracht wurde und über 120 Menschen daran beteiligt waren, war bemerkenswert. Nachdem das letzte Konzert in dieser Konstellation im Hamburger Michel stattgefunden hatte, wurden beide Ensembles von der künstlerischen Leitung des Hamburger Wahrzeichens ausdrücklich eingeladen, das nächste Konzert wieder in die größte Kirche Norddeutschlands zu bringen. Das nun absolvierte Konzert fand vorerst nur in Soltau statt, vielleicht jedoch wird die Einladung beim nächsten Gemeinschaftsprojekt wieder angenommen. Manuel Behre und Sönke Klegin teilten sich die Leitung und das Dirigentenpult.
Beseelt von der authentischen und lebendigen Interpretation des vielfältigen Programms gab es lang anhaltenden Applaus. Die befreite Stimmung, die diesen Konzertabend prägte, war zum Ende hin nahezu greifbar. Dem einen oder anderen Besucher dürfte der ohrwurmträchtige Song "Baba Yetu" (Vater unser) von Christopher Tin auf dem Nachhauseweg noch länger nachgeklungen sein.