So eine Silvesterrakete ist schon etwas Besonderes - und für mich in zweierlei Hinsicht spannend. Zum einen gibt es den Moment, in dem die Lunte brennt. Man sieht, wie sich das Feuer mal langsam, mal schneller vorarbeitet, bis es am Ziel angekommen ist. Und dann kommt ein zweiter spannender Moment. Nämlich der, wenn sich die Rakete in den Himmel bewegt und man von unten gar nicht so genau weiß, wann es nun endlich den ersehnten Funkenregen gibt.
Am heutigen Samstag finden im Heide-Park Resort die Pyrogames statt. Ein ganzer Abend, der von einer solchen Spannung begleitet ist. Zwar sind wir heute nicht in der Position, die Lunte anzuzünden, das geschieht auch bei den Profis nicht mehr von Hand, aber der Moment der Spannung bleibt doch, bis wir die bunten Farben im dunklen Abendhimmel sehen können.
Für mich gibt es in der Bibel, im Lukasevangelium, Kapitel 24, auch eine besondere Feuerwerksgeschichte. Zwei Jünger sind nach der Kreuzigung auf dem Weg nach Emmaus. Auf ihrem Weg begegnet ihnen ein fremder Mann. Wir Leserinnen und Leser können schon gut erahnen, dass es sich dabei um Jesus handelt, der an Ostern von den Toten auferstanden ist. Doch die Jünger erkennen ihn nicht. Sie erzählen dem vermeintlich Fremden von Jesus, von seinen Worten und seinen Taten. Auch hier ein Moment der Spannung: Wann werden die Jünger erkennen, mit wem sie es zu tun haben? Und: Wie werden sie reagieren?
Und dann, als er beim Abendessen mit ihnen das Brot teilt, da erkennen sie ihn. Wie bei einer Silvesterrakete, die sich spannungsvoll ihren Weg in den Abendhimmel gesucht hat und dann ihr wahres Licht preisgibt.
Ich glaube, dass es auch in meinem Leben mit Gott Feuerwerksmomente gibt. Zeiten, in denen Gott mich begleitet, ohne dass ich es eigentlich merke. Und mir macht das Mut: Vielleicht ist Gott auch in meinem Leben oft schon viel näher, als ich es gerade wahrnehme. Und hoffentlich kommt dann irgendwann der Moment, in dem ich den Glitzerregen im Nachthimmel sehe – der Moment, in dem ich merke, dass Gott bei mir ist. Ich wünsche uns, dass wir wach bleiben für solche Momente – und dass am Ende, wenn die Lunte abgebrannt und die Rakete in den Himmel aufgestiegen ist, auch für uns ein Licht voller bunten Glitzers aufgeht.
Pastor Johannes Döhling, Soltau